G-Geschichte

Eines Nachts – ich muß so um die 20 Jahre alt gewesen sein – ging ich zu Fuß die paar Kilometer zwischen Gevenich und Faid durch den Wald nach Hause. Ich kam von einem Junggesellenfest und hatte schon das ein oder andere Bier zuviel getrunken, war also nicht mehr der sicherste auf den Beinen. Da aber Vollmond war, sah ich noch recht viel und kam auch ganz gut voran. Bis zu diesem Tage machte es mir nichts aus, alleine und noch dazu nachts durch den Wald zu gehen... Ich hatte schon mehr als die Hälfte meines Weges zurückgelegt, da hörte ich plötzlich hinter mir schnelle Schritte. Noch bevor ich mich umdrehen konnte, um nach zu sehen, wer da vielleicht noch vom Fest aus durch den Wald nach Hause wankt, sprang mir plötzlich dieser Jemand ins Kreuz, hielt sich an mir fest und blieb "huckepack" auf meinem Rücken hängen. Natürlich dachte ich zuerst an einen schlechten Scherz meiner Freunde. Sie hatten mich bestimmt heimlich verfolgt und wollten sich totlachen, wenn ich vor Schreck anfinge zu schreien oder mir in die Hose mache würde! "Na Klasse! Toll gemacht von Euch!",rief ich also in den Wald, noch immer meine Last auf dem Rücken tragend, ohne erkennen zu können, wer es denn nun war. Ich bekam keine Antwort. Da mir mein Gast auf dem Rückenaber nun langsam zu schwer wurde und ich keine Lust hatte, auch noch mit ihm zu stolpern und meine Kleidung zu verdrecken, versuchte ich die Last abzuschütteln. Wer immer es auch war,er klammerte sich mit einem unheimlich festen Griff an mir fest und sagte kein einziges Wort. "Na gut, ihr habt mich zu Tode erschreckt. Ich zittere vor Angst. Ihr könnt euch jetzt zeigen!", rief ich erneut in den dunklen Wald, ohne jedoch Antwort zu bekommen. Da mein Passagier immer noch nichts sagte, versuchte ich, ihn zum Reden zu bringen. "Wer bist du? Was soll das?", fuhr ich ihn an. Keine Antwort. Soweit ich mich umdrehen konnte –daran, ihn abzuschütteln war immer noch nicht zu denken– erkannte ich jedoch einen Mann von vielleicht 60 Jahren mit einer Bekleidung, die mehr als nur altmodisch war. Er trug einen weiten Umhang und einen breitkrempigen Hut, der fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Er schien mich und meine Anstalten ihn loszuwerden gar nicht zu beachten! Ich war jetzt auf 180! "Sofort los lassen! Jetzt reicht's aber!", rief ich und schüttelte mich wie wild hin und her. Kein Erfolg. Der Kerl saß immer nochfest wie angewachsen und sagte keinen Ton. Von meinen Freunden, die ich ja anfangs hinter der ganzen Sache vermutete, war nichts zu entdecken. So langsam wurde mir das alles unheimlich und ich beschleunigte meinen Schritt trotz der Last, um wenigstens aus dem Wald heraus zu gelangen. Vielleicht war in Faid ja noch jemand so spät unterwegs, der mir helfen könnte – oder die Lichter des Ortes würden den Mann auf meinem Rücken vertreiben!
Als ich noch nicht ganz aus dem Wald herausgetreten war, war meine Last plötzlich verschwunden. Obwohl ich mich sofort umdrehte, sah ich nichts mehr von meinem unheimlichen Begleiter. Es knackte noch ein paar mal etwas weiter entfernt im Unterholz, dann war Ruhe. Ich setzte meinen Weg nach Hause fort und grübelte darüber nach, ob ich vielleicht so betrunken war, daß ich mir das alles nur eingebildet hatte. 'Nein. So viel hast du nun wirklich nicht getrunken', dachte ich noch, bevor ich dann endlich zu Hause im Bett lag und einschlief.
Nach ein paar Tagen war ich der festen Überzeugung, mir das alles nur eingebildet zu haben. Eines der Bierchen auf dem Fest war wohl schlecht gewesen... Zwei Wochen später fand in unserem Ort die Kirmes statt. Nach dem Festumzug setzte ich mich mit meinen Freunden in das Festzelt und wir hörten der Blasmusik zu und erzählten uns dies und das. Am Nachbartisch saßen ein paar ältere Männer bei ihrem Bier und unterhielten sich– infolge der Musik und ihrer vereinzelten Schwerhörigkeit – so laut, daß ich fast alles mithörten konnte. "Ja, ja. Lügen haben kurze Beine!",rief einer von ihnen – worüber sie gerade redeten,wußte ich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt leider nicht. "Und der alte Scheffe springt dir auf den Buckel!", entgegnete ein anderer und alle lachten laut los. Wie? Was? Wer springt hier wem auf den Rücken? Ich zuckte zusammen, plötzlich dachte ich wieder an mein Erlebnis im Wald. Ich tat, als wäre nichts geschehen und wandte mich wieder meinen Freunden zu.
Als es später wurde, löste sich die gesellige Runde der alten Männer allmählich auf. Gegen 23 Uhr war nur noch der 72jährige Willi Schmitz übrig, der wohl noch ein wenig der Musik lauschen wollte. Ich bestellte zwei Bier und trat an seinen Tisch. "Darf ich mich zu euch setzten?", sprach ich ihn an und er nickte. Als unsere Gläser gebracht wurden fragte er,wie er denn zu der Ehre käme, eingeladen zu werden. "Ich habe eine Frage an dich, und ich hoffe du kannst sie mir beantworten.", sagte ich ihm geradeheraus. "Aber gerne doch. Wenn ich für jede Frage, die du mir stellst, ein Bier bekomme, können wir noch lange sitzen bleiben!", lachte er. "Ich habe eben zufällig gehört, wie einer an eurem Tisch sagte,daß jemandem der alte Scheffe auf den Buckel springen würde und darauf alle gelacht haben. Was hat es mit diesem Spruch auf sich?", fragte ich Willi Schmitz. "Ach, das ist ein alter Spruch, wenn jemand schwindelt. Den gibt's auch nur in Faid und Gevenich soweit ich weiß. Was ein Scheffe ist, weißt du doch hoffentlich?" Ich nickte. "Scheffe" ist die volkstümliche Bezeichnung für den Bürgermeister und stammt wohl ursprünglich von dem heute noch gebräuchlichen Wort "Schöffe" ab, was aber einen Beisitzer bei Gericht meint. "Nun, das ist eine alte Geschichte vom Ende des 17. Jahrhunderts. Mir hat sie meine Großmutter vor nun bestimmt schon 65 Jahren erzählt. Die meisten älteren Leute im Ort kennen sie noch – aber ihr jungen Leute...""Bitte! Erzähle sie mir!", fast flehte ich ihn an. Jetzt war ich neugierig geworden. Er fuhr fort zu erzählen. Im Jahr 1686 gab es einen Streit zwischen den Gemeinden Faid und Gevenich um ein kleines und eigentlich unbedeutendes Stück Wald, welches auf der Grenze zwischen den beiden Gemarkungen gelegen ist. Der Streit kam auf, als ein Gevenicher Bürger das Geweih eines kapitalen Hirsches in diesem Waldstück fand und mit nach Hause nahm. Es stammte von einem seltenen Zwölfender und sollte über dem Eingang der Gevenicher Amtsstube angebracht werden. Ein Mann aus Faid jedoch hatte dies gesehen. Er forderte das Geweih für seinen Ort ein, da es ja – seiner Ansicht nach – auch im Faider Wald gefunden worden sei.
Die Bürgermeister und die Pfarrer beider Orte wurden zur Schlichtung herbei gerufen, ohne jedoch, daß es zu einer Einigung kam. Auch in den Unterlagen über die Grenzen und Besitztümer der Gemeinden fand sich nichts, was die Zugehörigkeit des kleinen Waldstückes festlegte. Da aber nun auch keiner der Amtsträger auf die Vergrößerung seines Ortes – und sei es auch nur um diesen kleinen Flecken– verzichten wollte, brach ein regelrechter Streit zwischen den beiden Nachbargemeinden aus, der über Wochen andauerte.
Als dies nun in der Kreisstadt Cochem bekannt wurde, setzte der Amtsrichter Cornelius einen Ortstermin an dem betreffenden Wäldchen an, an dem die Beteiligten ihre Besitzansprüche vortragen sollten. Nach den vorgebrachten Argumenten, werde er dann entscheiden, zu welchem Ort der Wald gehöre, oder ob er zwischen beiden Orten aufgeteilt werde.
Zum verabredeten Zeitpunkt trafen sich also Richter Cornelius, die Pfarrer beider Orte, der Faider Bürgermeister Clemen sMühlen und auch viele einfache Leute aus Faid und Gevenich im Wald. Nur Hieronimus Kessler, der Scheffe von Gevenich, war nicht zu sehen. Er hatte sich wohl verspätet und so wartete man noch ein wenig auf sein Eintreffen." "Und dann?", gebannt hing ich an den Lippen von Willi Schmitz. Ich bestellte noch zwei Bier. Der alte Mann trank einen kräftigen Schluck, sah mich zufrieden an und erzählte weiter. Als man gerade ohne Hieronimus Kessler anfangen wollte, die Sachlage zu klären, erschien der Gevenicher Bürgermeister doch noch. Außer einem für diesen Anlaß eigentlich unpassenden großen Zylinder und hohen Reitstiefeln trug er ein geradezu unverschämtes Grinsen im Gesicht. Der Amtsrichter begann mit der Befragung der einzelnen Beteiligten. Immer noch wunderten sich alle über den überlegenen Gesichtsausdruck des Scheffen Kessler. Er galt als äußerst gerissener Mann. Was mochte er wohl im Schilde führen? Als nun die Reihe an ihm war, sich zuäußern, trat er in die Mitte der Menge und sah die Umstehenden triumphierend an. Er hob die rechte Hand zum Schwur und sprach mit kräftiger Stimme: "So wahr, wie der Schöpfer über mir ist, so wahrhaftig stehe ich auch hier auf Gevenicher Land!"
Der Fall war entschieden. Einem Schwur auf Gott den Allmächtigen war nichts entgegenzusetzen und so wurde die Versammlung damit beendet, daß der Protokollführer des Richters ein Schriftstück aufsetzte, in dem das Waldstück der Gemeinde Gevenich zufiel.
Da der Herr Scheffe Kessler hier vor angesehen Leuth seyn hochheylig Schwuhr that,ißt die Streytfrag gelöset, welcher der zwey Gemeyndendas Stueckchen Wald zwischen Faid und Gevenich zusteht. Bis zumjüngsten Gerichthe des allmächthigen Herren also soll eszu Gevenich gehören. Im Jahre des Herren 1686, am siebzehntenJuley gezeichnet vor vielerley Zeugen.
stand in der Urkunde, die Richter Cornelius sofort aufsetzen und unterzeichnen ließ. Zwei Wochen nach diesem denkwürdigen Tag, erkrankte Hieronimus Kessler schwer. Nur fünf Tagespäter war abzusehen, daß er diese Erkrankung nicht überleben würde, obwohl er eigentlich ein Mann mit einer ungewöhnlich guten Konstitution war. Als der Priester des Ortes zu ihm gerufen wurde, um dem Bürgermeister ein letztes Mal die Beichte abzunehmen und dem Todgeweihten die Sterbesakramente zu geben, machte Kessler diesem ein Geständnis.
"Ich habe den Herrn geschmäht und verraten mit meinem unheiligen Schwur. Dies ist die Strafe für alles!", schluchzte er."Was meinst du, mein Sohn?", fragte der Pfarrer. "Ihr wart doch dabei, Hochwürden. Der Schwur im Wald. Ich lästerte Gott vor euer aller Augen und Ohren." "Wie das?", fragte der Geistliche, der den Schwur ja selbst erlebt hatte. "Erinnert ihr euch an den Zylinder den ich trug? Unter ihm versteckt hielt ich die Schöpfkelle meiner Frau – das war 'der Schöpfer, der über mir ist',", heulte er auf, "und das 'Gevenicher Landauf dem ich stehe' stammte aus meinem Garten und steckte in meinen Reitstiefeln...!" Der Bürgermeister starb noch am selben Tage. Da der Pfarrer ein geschwätziger Mann war und das Geständnis Kesslers nicht während der Beichte fiel, machte die List des Gevenicher Scheffen schnell die Runde. Obwohl einige Bürger aus Faid diesen nun anfechten wollten, blieb der Rechtsakt über den Wald bis in die heutige Zeitgültig.
Die Geschichte von dem unheiligen Schwur des Bürgermeisters wäre wohl vergessen worden, wenn ihn nicht einige Leute in den folgenden Jahren in eben diesem Waldstück gesehen haben wollten. Den Aussagen dieser Zeugen nach, versuche sein Geist dieses Stück Wald zu durchqueren, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Er springe dann einfach jemandem auf den Rücken und lasse sich tragen. Daher auch dieser Spruch, mein Junge." Willi Schmitz trank erneut und lachte mich an. Ich bedankte mich bei ihm und ging bald darauf nach Hause. Die Kirmes war jetzt für mich beendet und das Waldstück zwischen Faid und Gevenich habe ich seitdem nie mehr betreten...

Jonathan und die alte Frau
Jonathan – der damals ungefähr so alt war, wie ihr es heute seid - war kein Feigling, bei Leibe nicht! Aber als es langsam finster wurde und ihm der Schneesturm immer stärker ins Gesicht blies, da bekam er es doch langsam mit der Angst zu tun. Er konnte kaum noch den Weg erkennen und er wusste, dass er noch mindestens eine Stunde bis nachhause brauchen würde.
Natürlich gab es da noch die Abkürzung durch den Wald. Jonathan war sie aber bisher nie gegangen, denn sein Vater hatte ihm das ausdrücklich verboten. „Gehe nie in diesen Wald!“ hatte er gesagt. „Dort geschehen schreckliche Dinge! Viele, die in ihn hineingegangen, sind nie mehr heraus gekommen. Und wenn doch, waren sie nicht mehr die Selben.“
Doch Jonathans Sachen waren pitschnass, und er fror erbärmlich. Wenn er durch den Wald gehen würde, könnte er sich schon bald am Ofen wärmen. Seine Furcht war zwar groß, doch die Aussicht, bald zuhause zu sein, war zu verlockend und so kam es, dass Jonathan den sicheren Weg verließ und hinein in den tiefen, dunklen Wald ging.
Tatsächlich hatte der Wald etwas Unheimliches an sich. Die Bäume waren viel größer, sie mussten uralt sein. Die Luft roch vermodert und kein Laut war zu hören. Es schien fast so, als ob sich schon seit Jahrhunderten kein Mensch an diesen verwunschenen Ort verirrt hätte. Jonathan überlegte kurz, ob er umkehren sollte, doch dafür war er schon zu weit gegangen.
Doch plötzlich, wie aus dem Nichts kommend, durchbrach ein schauerliches Rufen diese Stille. „Jonathan! Jonathan!!“ Jonathan hielt den Atem an und lauschte in den dunklen Wald hinein, doch nichts war mehr zu hören. Vorsichtig ging er weiter. Aber dann, er war noch nicht weit gekommen, hörte er das Rufen erneut. „Jonathan. Jonathan komm her zu mir!“ Sein Herz schlug immer lauter in seiner Brust und er begann zu zittern. „Wer konnte das nur sein? Vielleicht...“ Jonathan wurde für einen Moment ganz froh, „vielleicht sind mir meine Eltern entgegen gegangen.“ Also rief er zurück: „Papa? Mama? Wo seid ihr?“
„Hier... hier bin ich.“ Jonathan konnte ungefähr ausmachen, woher die Stimme kam und ging auf sie zu. Immer tiefer kam er dabei in den Wald hinein und kämpfte sich durch den tiefen Schnee.
Da! Da war es wieder. „Jonathan! Jonathan, hilf mir.“ Der Schneefall war zu dicht, um gut zu sehen, aber trotzdem konnte er eine Gestalt ausmachen, die langsam auf ihn zukam. Zuerst konnte er noch nicht genau erkennen, wer oder was das war, aber als sie näher kam, sah er, dass es eine alte Frau war, die hinter sich einen Schlitten herzog. Jonathan war enttäuscht, dass es nicht seine Eltern waren. Doch auch erleichtert, denn diese Alte würde ihm wohl nichts Böses wollen.
„Ich habe dich noch nie gesehen, alte Frau.“ sagte Jonathan, „Woher kennst du meinen Namen?“
Da lachte die Alte, dass man ihre schiefen, gelben Zähne sehen konnte. „Hä, hä, hä. Wenn man so alt ist, dass man alle Bäume des Waldes hat aufwachsen sehen, weiß man alles, auch den Namen eines kleinen Jungen, wie du einer bist.“ Sie war uralt und hässlich! Ihr langes, weißes Haar fiel ihr über das faltige Gesicht, sie hatte einen riesigen Buckel und stank furchtbar, fast wie Schwefel.
Jonathan wurde es wieder ziemlich mulmig zu Mute. „Was willst du von mir, alte Frau?“ fragte er sie. „Schau“, sagte die Alte, „auf dem Schlitten hinter mir ist Brennholz, das ich brauche, um meine Hütte zu heizen. Ich bin alt und es fällt mir schwer, den Schlitten den ganzen weiten Weg zu ziehen. Du, Jonathan bist aber noch jung, deshalb sollst du mir dabei helfen!“
Jonathan wollte aber nicht länger mit dieser unheimlichen Frau alleine in dem verwunschenen Wald bleiben. Er nahm allen Mut zusammen und sprach: „Nein Alte, ich kann dir nicht helfen, ich habe keine Zeit, weil meine Eltern zuhause auf mich warten.“
„Überlege dir gut, ob du mir nicht doch helfen willst.“ sprach die Alte und packte Jonathan an der Schulter.
„Nein!“ rief Jonathan. „Ich helfe dir nicht.“
„Das wirst du noch bereuen, mein Kleiner.“ antwortete die Frau. „Wenn du mir nicht hilfst, wirst du, noch ehe du den Waldrand erreichst, so alt sein wie ich.“
Jonathan riss sich los und lief, so schnell er nur konnte davon. Doch trotzdem konnte er noch hören, was ihm die Alte nachrief: „Jonathan, oh Jonathan. Eben noch ein Junge – bald ein alter Mann!”
Jonathan rannte, was seine Beine hergaben. Doch er kam ziemlich schnell aus der Puste und musste stehen bleiben. Was war nur plötzlich los mit ihm? Seine Beine taten weh und konnten ihn fast nicht mehr tragen. Dann fiel sein Blick auf seine Hände, und er erschrak furchtbar: sie waren so faltig, wie das Gesicht der Alten! Er musste endlich raus aus diesem verwunschenen Wald, Gott sei Dank war es nicht mehr weit. Doch Jonathan wurde immer langsamer. Schließlich konnte er nur noch ganz zaghafte Schritte machen und blieb bald erneut vor Erschöpfung stehen. Irgendetwas juckte furchtbar in seinem Gesicht. Er sah an sich herab und wurde wie vom Blitz getroffen, als er merkte, dass er einen schlohweißen, langen Bart hatte, der ihm bis zu seinem Bauch hinab hing. „Oh mein Gott!“ schrie er vor Entsetzen. Die Alte hatte mit ihrem Fluch recht behalten – Jonathan war in nur wenigen Minuten zu einem alten Mann geworden!
„Was soll ich nur machen?“ Jonathan begann fürchterlich zu weinen. „So kann ich nicht nachhause zu meinen Eltern gehen.“ Der nächste schreckliche Gedanke schoss ihm durch den Kopf. So alt wie er jetzt war, würde er sterben, noch bevor er den Wald verlassen könnte. Sollte sein Leben, das doch erst begonnen hatte, schon so bald vorbei sein? Jonathan war verzweifelt.
Doch dann dachte er daran, wie der Fluch der alten Frau genau gelautet hatte. „Wenn du mir nicht hilfst,“ hatte sie gesagt, „wirst du, noch ehe du den Waldrand erreichst, so alt sein wie ich.“ Jonathan wiederholte in Gedanken diese Worte: „Wenn du mir nicht hilfst.“ „Vielleicht“, Jonathan schöpfte plötzlich Hoffnung, „vielleicht kann ich den Fluch besiegen, wenn ich nochmals zu der Alten gehe und ihr diesmal helfe, den schweren Schlitten zu ziehen.“ Eine andere Wahl hatte er wohl nicht und deshalb machte er sich, so schnell er noch konnte, auf den Weg zurück.
Doch in seinem Zustand war das alles andere als leicht. Er wurde immer noch älter und mittlerweile fiel ihm jeder Schritt so schwer, als wenn er früher eine Stunde gelaufen war. Dauernd musste er Pausen einlegen, um sich auszuruhen. Der Schneesturm blies ihm ins Gesicht, und er konnte den Weg zurück kaum finden. Vielleicht, da war sich Jonathan nicht sicher, waren auch seine Augen aufgrund seines hohen Alters einfach so schlecht geworden.
Hatte er vorhin nur wenige Minuten gebraucht, so kam ihm der Weg zurück wie Tage vor. Er fürchtete deshalb auch, dass er die Alte gar nicht mehr finden würde. Doch ohne sie, dass wusste er, war er dem Tode geweiht.
„Alte Frau!“ rief Jonathan. Hier ungefähr musste es gewesen sein, wo er vorher auf die Alte getroffen war. „Alte Frau, wo bist du?“
Dann, wieder wie aus dem Nichts auftauchend, hörte er plötzlich ihr böses Lachen hinter sich. „Jonathan, oh Jonathan. Eben noch ein Junge – jetzt ein alter Mann!“ „Bitte, alte Frau“, Jonathan fiel vor der Alten auf die Knie, „bitte hilf mir und lass mich nicht sterben!“
Die Alte lachte erneut. „Hilfst du mir, helfe ich dir.“ Sie spannte den alten Jonathan vor ihren Schlitten.
Mit seiner letzten Kraft begann Jonathan, den schweren Schlitten zu ziehen. Doch das war für einen Greis, wie er jetzt einer war, viel zu anstrengend, und er fühlte, wie das Leben langsam aus ihm wich. „Bitte alte Frau,“ wimmerte er, „erlasse mir diese Arbeit. Wenn ich den Schlitten weiter ziehen muss, werde ich sterben.“
„Ganz im Gegenteil“, sprach die Alte. „Wenn du den Schlitten weiter ziehst, wirst du wieder jung.“
Und tatsächlich, Jonathan spürte auf einmal, dass ihm jeder Schritt etwas leichter fiel. Der lange Bart in seinem Gesicht verschwand und die Kraft kehrte in seinen Körper zurück. Als sie schließlich die Hütte der alten Frau erreicht hatten, war er wieder ein Knabe.
„Ich bin wieder jung!“ schrie Jonathan vor Freude. „Danke alte Frau! Vielen Dank!“ „Lass dir das eine Lehre sein.“ sprach die Alte. „Hilf in Zukunft, wenn man dich braucht! Und noch was: Auch du wirst eines Tages alt sein. Das geht schneller, als du denkst. Also nütze jeden Tag in deinem Leben!“
Jonathan rannte so schnell er konnte nachhause und umarmte seine Eltern. Von da an lebte er glücklich und zufrieden und nutzte jeden Tag, so wie es ihm die alte Frau mit auf den Weg gegeben hatte, denn er wusste jetzt, wie es war, alt zu sein.

Mutprobe
Hirschklaue und Schneller Falke wanderten träge am Ufer des großen Stromes entlang. Es war einheißer, ermüdender Frühlingstag. Die Sonnenstrahlenverdunsteten das Wasser aus den Sümpfen in der nahen Ebene.Das machte die Luft schwül und lahmte jede Tätigkeit.Trotzdem entging den Augen der beiden Jungen vom Stamme der Mohikaner nichts von dem, was sich unterwegs ereignete. Sie sahen die Forellen, die in einem Flußtobel gegen das strömende Wasser anschwammen. Sie entdeckten das Reh, das noch sein Winterfell trug, ehe es sich hinter den dichten Erlenbüschen verbarg, die am Rande des Sumpfes wild und üppig wucherten.Auch den Adler beobachteten sie, der majestätisch über dem Gipfel des Berges zu ihrer Rechten schwebte. Sein heiseres Geschrei war der einzige Laut neben dem Rauschen des Flusses, der sich hier am Fuße des Berges sein Bett durch das Gestein gegraben hatte. In tosenden Wirbeln" sprang die Flut über die Felsblöcke, die aus der Bergflanke heraus gebrochen und in das Flußbett gepoltert waren. „Der Adler sucht nach Beute!"deutete Hirschklaue das Geschrei des Raubvogels. „Ich bin froh, daß ich kein Kaninchen bin", setzte er hinzu. Der große Vogel erinnerte Hirschklaue aber auch an etwas anderes.„Weißt du!" sagte er zu Schneller Falke, „seit wir unseren Club gegründet haben, hat uns Adlerfeder immer mit Bewunderung beobachtet. Ich glaube, daß er gern zu uns gehören würde." — „Vielleicht sollten wir ihn zu unserem geheimen Treffpunkt einladen", setzte er hinzu.„Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn er sich unserer Sippe anschließt."
Adlerfeder war unter seinen Altersgenossen beliebt. Beim Spiel war er draufgängerisch, dabei aber immer fair. Wo es zuzupacken galt und wo man seine Hilfe brauchte, zögerte er nie. Erst vor ein paar Tagen hatte er ein kleines Mädchen gerettet, das beim Spiel in den Fluß gefallen und in die Stromschnellen getrieben worden war. Obwohl Adlerfeder die Gefahr kannte, die ihm in den Wirbeln und Strudeln drohte, hatte er keinen Augenblick gezögert, dem Kinde nach zu springen. Er hatte schwer zukämpfen gehabt. Aber dann konnte er das lange Lasso fassen,das ihm ein paar Männer des Stammes zuwarfen. Völlig erschöpft, aber glücklich über die gelungene Rettung, hatten sie ihn ans Ufer gezogen. Trotzdem zögerte Schneller Falke mit einer Antwort. Solche Dinge mußten sorgfältig überlegt werden. Nicht umsonst hatte die Gruppe geschworen, ihr Geheimnis zu hüten, und die Aufnahme neuer Mitglieder niemals zu übereilen. „Ich bin auch damit einverstanden, daß Adlerfeder ein Glied unserer Sippe wird", sagte er schließlich. „Aber es scheint mir nicht weise, wenn wir ihn gleich zu unserem geheimen Treffen einladen. Laß uns erst mit den anderen reden und dann beschließen, was zu tun ist."
An diesem Abend, kurz nach Eintritt der Dunkelheit, trafen sich eine Anzahl Indianerjungen an ihrem geheimen Treffpunkt. Sie alle gehörten zum Stamme der Stockbridge-Indianer, der sich vor vielen Monaten an dem großen Flusse angesiedelt hatte. Durch ihre Großväter und Väter wußten die Jungen aber von der ruhmreichen Vergangenheit ihrer Ahnen. Diese siedelten vor langer, langer Zeit an den Ufern des Hudson und gehörten zu den ersten Rothäuten, die den Weißen begegneten, als diese mit ihren „Großen Kanus" über das große Wasser gekommen waren. Abends erzählten die Alten am Lagerfeuer von den Heldentaten der Mohikaner. So hatte sich ihr großes Volk damals genannt; und unter diesem Namen war es beiden Weißen berühmt und gefürchtet gewesen. In Erinnerung an diese Zeit hatten die Jungen ihrem Club den Namen gegeben: Die Mohikaner. Und keiner sollte zu diesem Club gehören, der sich nicht durch eine besondere Tat ausgezeichnet hatte. Es war eine mondlose Nacht. Der Schein des Lagerfeuers konnte nicht durch den dichten Wald dringen. Dennoch fanden die Jungen ihren Weg durch beinahe undurchdringlichen Forst.„Warum hat die Eule geschrien?" fragte einer, als keiner der schweren Steine mehr leer war, die die Jungen in mühsamer Arbeit herbeigeholt und als Sitze im Ring aufgebaut hatten.„Ich schlage vor, daß wir Adlerfeder zu unserem Mitglied machen!" sagte eine Stimme aus der Finsternis heraus.„Ich bin einverstanden!" „Einverstanden!"
„Das wollte ich auch schon vorschlagen!" klang es von den verschiedenen Plätzen. „Wie sollen wir ihn einführen?" fragte die erste Stimme wieder. „Wer hat einen guten Vorschlag?" „Laßt ihn ein paar Tage lang allein im Walde schlafen!" schlug Schneller Falke vor. Es gehörte schon Mut dazu, außerhalb des Indianerdorfes ein paar Nächte im wilden Forst zu hausen, denn es konnte durchaus geschehen, daß sich im Dunkel der Nacht ein Bär oder ein Wolf an das Waldlager heranschlich. Aber seit der Stamm seine Tippis in der Flußniederung aufgeschlagen hatte, war das weniger wahrscheinlich. „Das ist zu leicht!" entgegnete darum Silberner Wolf. „Stellt ihm die Aufgabe, in den Sümpfen eine Klapperschlange zu fangen", schlug er selber vor. Alle wußten, daß eine Portion Mut dazu gehörte, dem giftigen Reptil nachzustellen und es schließlich zu greifen.Darum äußerten sich einige zustimmend. Aber da kam nochein anderer Vorschlag: „Laßt ihn ein paar Eier aus dem Adlernest holen!" sagte eine Stimme, die bisher nicht zu hörengewesen war. „Ja, laßt ihn Adlereier holen!" stimmte Hirschklaue zugleich zu. Schnell schlössen sich ihm die anderen an: „Jawohl! Er soll die Eier aus dem Adlernest holen!" Noch in der Nacht wurde Adlerfeder von dem Beschluß der Sippe unterrichtet. Um Mitternacht schrie vom Rande des Waldes her eine Eule. Ein Dutzend Jungen hatten auf diesen Ruf gewartet. Nun wußten sie: Adlerfeder war bereit, das zu tun, was ihm als Aufgabe gestellt worden war. Am nächsten Morgen, die Sonnestand noch so tief, daß ihre Strahlen erst den Gipfel des hohen Berges beleuchteten, waren die Jungen schon unterwegs. Auf steilen, aber wohlbekannten Pfaden stiegen sie zur Höhe des Gebirgsstockes, in ihrer Mitte Adlerfeder, der seinen Mut beweisen sollte, ehe man ihn zum Mitglied der Mohikaner erklärte. Nachlangem, mühsamem Aufstieg erreichten sie eine Felsenklippehoch über dem Platz, auf dem die Adler ihren Horst gebaut hatten. Einer der Jungen entrollte ein langes Tau, das er bisher über den Schultern getragen hatte. Ein anderer band Adlerfeder einen kleinen Korb auf den Rücken, in den sollte er die Adlereier legen, wenn er den Horst der Vögel erreicht hatte. Wenige Augenblicke später stand Adlerfeder in der Schlinge, die man ans Ende des Taus geknotet hatte, und rutschte über die Kante der Felsklippe, auf der die anderen standen und das Seil hielten. Schnell ließen sie es jetzt durch ihre Händegleiten. Adlerfeder sah nichts mehr von den Kameraden. Nur einer der Jungen stand seitlich auf einem Platz, von dem aus man Adlerfeder bei seinem kühnen Wagnis beobachten konnte. Durch ein Handzeichen sollte der bestimmen, wenn die Kameraden anzuhalten hatten. Noch glitt Adlerfeder an dem sicheren Tau vor der rotbraunen Felswand tiefer und tiefer. Aber jetzt konnte er das Adlernest sehen. Die steilabfallende Wand war hier ein gutes Stück nach innen eingeschnitten. Unter dem überhängenden Fels aber öffnete sich noch eine mehrere Meter breite und mannshohe Höhle. In diese Felsennische hinein, gedeckt vor Regen und stürmenden Winden, die vom Berg her kamen, hatten die Adler aus Knüppeln und starken Reisern ihr Nest gebaut. Es war ein ausgezeichneter Nistplatz. Von den Raubvögeln war keiner im Horst. Mit Bedacht hatten die Jungen für das Unternehmen ihres zukünftigen Mitgliedes die Zeit gewählt, in der die Adler ausflogen, um Beute zu suchen. Deutlich sah Adlerfeder die zwei gesprenkelten Eier auf dem Grunde des Horstes, die er holen sollte. Schon hatte er mit der rechten Hand das Tau losgelassen und gab das verabredete Zeichen. Im nächsten Augenblick hing er, nur wenig an seinem Tau pendelnd, vor dem Sims mit dem Horst der Adler. Wenn er das Nest erreichen wollte, mußte er sich jetzt an seinem Tau hin-und her schwingen und im rechten Augenblick auf die Felsplatte hinüber springen. Einen Augenblick schaute er in die Tiefe. Am Fuße der steilen, von spitzen Graten durchzogenen Felswand sah er das blinkende Band des strudelnden und schäumenden Stromes. Für den, der hier abstürzte, gab es nur eines: den sicheren Tod. Aber der Gedanke daran kam Adlerfeder nicht. Seine Kameraden hielten das Seil. Er konnte sich auf sie verlassen. Alles andere war seine eigene Sache. Auch angesichts dieser Lage kam ihm keine Furcht. Mit den Augen maß er noch einmal die Entfernung zu dem Steinsims, auf dem er festen Fuß fassen mußte, wenn er das Seil losließ. Wenn er sich verschätzte... Er rückte den Korb auf dem Rücken zurecht, damit er ihn bei dem kühnen Sprung vom Seil nicht behindern konnte. Beide Hände schloß er jetzt fest um das Tau. Dann nahm er den Fuß aus der Schlinge und begann zu pendeln. Ein Schwung — schon gelangte er unter den Felsvorsprung, der sich wie ein vorspringendes Dach über dem Adlerhorst wölbte. Er pendelte nach draußen zurück,gab sich einen weiteren Schwung, kam näher an den Platz heran, den er erreichen mußte, schwang zum drittenmal hin und her, beim viertenmal ließ er das Seil los, und flog auf den harten Fels. Der Stoß warf ihn auf die Knie. Mit beiden Händengriff er nach einem Halt, faßte einen Buckel im Gestein, er hatte das Ziel erreicht. Hinter ihm schwang das leere Tau in derLuft. Adlerfeder drehte sich um und sah es pendeln. Er wußte,daß er nur mit Hilfe diese Seiles den Platz wieder verlassen konnte, auf den er so kühn und unerschrocken gesprungen war.Es gab keinen Weg nach oben. Und obwohl ihm so schnell vor nichts graute, vorher beim Blick in die Tiefe war ihm klar geworden,daß man über die riesige Steilwand nicht hinunterklettern konnte, ohne bei jedem Schritt seinen Hals zu riskieren. Das Tau schwang immer noch — hin und her. Aber, befreit vom Gewicht, kam es nicht mehr so nahe heran.
Da erst durchfuhr Adlerfeder von der Zehe bis zur Kopfhaut der Schreck: Wenn das Seil ausgeschwungen hatte, war es völligunmöglich, von dem Horstplatz aus wieder an das Tau heranzukommen. Der Sprung nach dem Tau konnte nur mit dem Sturz in die schaurige Tiefe enden. Die Rettung war allein möglich,wenn er augenblicklich einen Entschluß faßte. Droben auf der Felsenklippe standen die Jungen, die ihren Kameraden in dieses Abenteuer geschickt hatten. Als sie über den Beobachter das Zeichen bekamen, daß Adlerfeder tief genug abgeseilt worden war, hatte der letzte Mann am Tau das Seilende zur Sicherung schnell um einen Felsblock geschlungen. Was Adlerfelder unternahm, konnte keiner von ihnen sehen. Auch am Rande der Felsplatte stehend, verbarg ihnen das überhängende Gestein den Blick auf den Schauplatz des waghalsigen Unternehmens. Aber gerade dadurch wurde ihnen klar, welcher gefährlichen Lage sie Adlerfeder aussetzten, als sie ihm die Aufgabe stellten, als Beweis seines Mutes, die Eier aus dem Felsennest der Adler zu holen. Da war keiner, dem in diesem Augenblick nicht das Gewissen schlug. „Was sollen wir dem Häuptling sagen, wenn er nicht heil zu unserem Dorf zurück kehrt", dachte Hirschklaue.
„Wie kann ich seiner Mutter unter die Augen treten, wenn das Unternehmen mißlingt", ging es Schneller Falke durch den Sinn. Die Tipis von Adlerfeders und Schneller Falkes Eltern standen im Dorf direkt nebeneinander.
„Wie die kleinen Kinder haben wir gehandelt", schalt sich im Geheimen ein anderer, „weil wir gar nicht daran dachten, daß die alten Adler um diese Zeit zu ihrem Horst zurück kommen könnten. Adlerfeder hat nicht mal ein Messer im Gürtel und schon gar keine Tomahawk, mit dem er sich gegen die Krallen und spitzen Schnäbel der großen Raubvögel wehren könnte."
„Wir haben eine große Dummheit gemacht", sagte Silberner Wolf ehrlich, der den Vorschlag mit der Mutprobe am Adlerhorst gemacht hatte. Adlerfeder muß nun sehen, was er tun kann, damit uns nicht die Verachtung und Strafe unseres ganzen Stammes trifft."
Ein Schrei schreckte sie auf. Weißer Vogel, der Adlerfeder beobachtet hatte, stieß ihn aus. Irgend etwas geschah, was die Jungen von ihrem Platz aus nicht sehen konnten. Aber dann spürten sie schon einen Ruck am Seil, sie merkten, daßes sich straffte, Adlerfeder mußte es wieder erfaßt haben und mit seinem ganzen Gewicht an dem Tau hängen. Adlerfeder hatte sich in Sekundenschnelle entschieden. Auch ihm war es durch den Sinn gegangen, was geschehen könnte, wenn er etwa darauf warten mußte, daß ihn die Kameraden aus seiner schwierigen Lage befreiten und wenn die Adler inzwischen von ihrem Beuteflug zurückkehrten. Außerdem gab es von der Felsennische aus, in der er kauerte, keinerlei Möglichkeit,sich mit den Freunden zu verständigen. Augenblicklich mußte er zurück! Er tat den Freunden bestimmt keinen Gefallen, wenn er nicht die letzte Möglichkeit zu einem schnellen Rückzug ausnutzte und sich wieder hinaufziehen ließ. Die Adlereier mitzunehmen blieb keine Zeit. Flink streifte er darum den Korb von seinem Rücken. Alle Muskeln straffend, einer gespannten Bogensehne gleich, beobachtete er das nur noch schwach schwingende Seil. Jetzt oder nie! Mit einem kräftigen Sprung warf er sich nach vorn in die Luft. Mit beiden Händen griff er fest in das starke Tau. Er rutschte ein Stück ab. Feuer brannte ihm in den Handflächen. Aber er verbiß den Schmerz. Hauptsache, es war geschafft. Einen Augenblick hing er bewegungslos an dem gestrafften rettenden Seil, dann zog er sich ein Stück nach oben und setzte seinen Fuß in die sichere Schlinge. Er winkelte den linken Arm um das Tau und gab mit der Rechten dem Beobachter ein Zeichen. Erhörte dessen Schrei. Gleich darauf zogen die Kameraden an. Meter um Meter entfernte er sich von dem Platz, auf dem die Adler ihr Nest gebaut hatten.
Adlerfeder rechnete damit, daß ihn die Jungen nicht in ihre Sippe aufnehmen würden, weil er seine Aufgabe nicht gelöst hatte. Aber nie zuvor war es ihm so klar gewesen, daß er richtig gehandelt hatte. Mochten sie ihn verurteilen. Er hatte auch für sie sein Leben eingesetzt, als er im letzten möglichen Augenblick nach dem pendelnden Seil sprang.
Als ihn zwei oder drei der Jungen das letzte Stück über die Kante der Felswand heraufzogen, sah er schon an den Gesichtern der Kameraden, daß niemand daran dachte, ihn zu richten. Über die Adlereier fiel kein einziges Wort. Sie alle waren glücklich, daß er, abgesehen von seinen zerschundenen Händen, heil unter ihnen stand. Eigentlich unnötig zu erwähnen: Adlerfeder wurde ein Mitglied der Mohikaner.

Die Geschichte der Killerpuppe
Mrs. Taylor ging einen Tag vor Heilig Abend mit ihrer kleinen Tochter Maggie durch die Einkaufsstraßen. Sie kamen an vielen geschmückten Schaufenstern vorbei, doch nur an einem blieb Maggie stehen. Es war ein Laden, mit den teuersten und schönsten Porzellanpuppen weit und breit. "Mum schau mal, die hier! Ist sie nicht hübsch!?" rief die Kleine und zeigte auf eine wirklich herrliche Puppe, im aufwendigen rosa Spitzenkleidchen, mit glänzenden braunen Locken, blauen verträumten Augen und einem Engelsgesicht. Sie war perfekt, nur etwas war merkwürdig an ihr: mit ihren kleinen weißen Fingern zeigte sie unauffällig die Zahl drei. Allerdings dachte sich Mrs. Taylor nicht viel dabei und schüttelte mit dem Kopf.
"Maggie, du bekommst morgen so viele Geschenke, irgendwann reicht's! Wir sind hier um noch etwas für Großmutter zu kaufen, Schatz."
"Bitte, bitte..." "Nein."
Mit diesen Worten zog die Frau ihr schmollendes Kind weiter. Am selben Abend, aber ging sie noch einmal in die Stadt. Sie brachte es nicht übers Herz Maggie traurig zu sehen und so ging sie in das Puppengeschäft. Die Verkäuferin nahm das außergewöhnliche Spielzeug aus dem Schaufenster und reichte es Mrs. Taylor.
"Lassen sie ihre Tochter bitte nicht alleine damit!" fügte sie beiläufig hinzu, doch die glückliche Mutter war so von der Puppe fasziniert, dass sie nicht zugehört hatte.
Am nächsten Tag war es so weit: Maggie packte ihre Geschenke aus und als sie die wunderschöne Puppe sah, juchzte sie vergnügt, drückte sie fest an sich und vergaß all die anderen Päckchen um sie herum.
Zwei Tage später war Maggies Begeisterung noch immer nicht erloschen und nahm ihren neuen Liebling sogar mit zum Einkaufen.
Als Mrs. Taylor und sie wieder das Haus betraten, bemerkte die Frau, dass sie den Zucker im Auto liegen gelassen hatte und lief noch einmal nach draußen. Maggie und die Puppe waren allein. Mrs. Taylor kam wieder herein und stieß einen entsetzten Schrei aus, dabei ließ die Zuckerpackung fallen so dass sie aufplatzte. Ihr Blick war auf ihre Tochter gerichtet, die tot in ihrer eigenen Blutlache lag. Daneben saß Angie, so hatte sie ihr Lieblingsspielzeug getauft. Als die verzweifelte Mutter sie ansah, riss sie noch mehr die Augen auf und fiel beinahe in Ohnmacht.
Angies traumhaftes Kleid war mit Blut beschmiert und das traumhafte Gesicht war nun eine widerliche, teuflische Fratze mit breitem Grinsen. Zufällig sah Mrs. Taylor auf ihre Porzellanfinger. Sie zeigten die Zahl vier...!

Der grausame Hof
Ich sollte mit meinem Vater einkaufen fahren. Wir machten noch eine kleine Spritztour als er zu mir sagte: "Kennst du den Hof mit dem Fluch?" Da ich ihn nicht kannte sagte ich "Nein, kenne ich nicht“. „Ok, dann fahren wir mal hin, ich zeig ihn dir" sagte mein Vater. Es war eigentlich ein sehr schöner Hof, nur alt und etwas verstaubt. "Dieser Hof gehörte bislang 3 Besitzern, niemand von ihnen ist auf einen natürlichen Tod gestorben. Der erste wurde vom Blitz auf dem Feld getroffen. Der zweite erschoss sich und der dritte erhängte sich im Wald" erzählte mir mein Vater. Ich glaubte den Spuk natürlich nicht und sah mich mutig auf dem Hof um. Es war Totenstille. Mein Vater saß im Auto und wartete auf mich. Einige Gebäude besaßen neue Fensterrahmen, hier könnte vor höchsten einem Jahr noch jemand gewohnt haben, dachte ich mir. Aber alle Fensterscheiben waren kaputt, das konnte doch nicht sein. Na ja, ich ging zum Auto zurück und fragte meinen Vater ob wir diesen Hof nicht kaufen könnten. Er meinte nein, der ist viel zu teuer und du musst dann jeden Morgen zur Bushaltestelle gefahren werden, das geht nicht. Wir kamen dann spät abends nach Hause und traurig ging ich auf mein Zimmer. Ich grübelte noch ein wenig, wie ich meine Eltern nicht doch noch umstimmen könnte, schlief aber beim überlegen ein.
Da träumte ich etwas Merkwürdiges: Dieser Hof gehörte mir, ich hatte Pferde, Kühe, Hühner und vieles mehr. Ich wohnte mit meiner Familie auf dem Hof und wir lachten miteinander. Doch plötzlich änderte sich alles, es zog ein Gewitter auf und ich sah den ersten Besitzer, der auf dem Feld seine Ernte erntet. Er wird von dem Blitz getroffen. Dann kam der zweite, er hatte so viele Schulden, das er den Hof abgegeben müsste, doch er zog seine Pistole und erschoss sich. Der zweite war schon etwas älter um die 55 Jahre alt. Seine Frau war erst vor kurzem gestorben und er verkraftete es einfach nicht. Er geht mit seinem Hund in den Wald und erhängt sich an dem Baum, wo er seine Frau zum ersten Mal getroffen hatte. Da sah ich meinen Vater wie er mit meiner Mutter auf dem Feld redete als plötzlich der Traktor auf sie zurollt und beide überrollt werden. Ich sah alles mit an und mir wurde klar, dass dieser Traum wahr werden könnte. Meine Mutter weckte mich und sagte: "Hey, du bist wohl eingeschlafen, wir haben eine Überraschung für dich! Komm mit in die Küche!" Meine Mutter und mein Vater sagten stolz, dass sie gerade den Hof gekauft haben. Natürlich schrie ich sofort: „NEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIN" doch meine Eltern wussten nicht, wieso und so erzählte ich ihnen meinen Traum. Sie lachten nur und sagten, dass sei aber ein böser Albtraum. Wir zogen auf den Hof und ich hatte große Angst um meine Eltern. Ich träumte den gleichen Traum noch einmal in der ersten Nacht auf dem neuen Hof. Am nächsten Morgen wollte mein Vater unsere Felder zum bepflanzen anschauen. Er nahm meine Mutter mit. Als sie abends gegen 17:00 Uhr immer noch nicht zu Hause waren, setzte ich mich auf einen Traktor und fuhr zu einem der vielen Felder. Da sah ich den Traktor und meine Eltern. Der Traktor rollte geradewegs auf meine Eltern zu, als sie sich zu mir umsahen. Mein Traum wurde wahr. Ich versuchte sie noch zu retten mit Schreien, doch sie konnten sich einfach nicht mehr retten. Ich alarmierte Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen, doch jede Hilfe kam für meine Eltern zu spät. Bis heute fahre ich auf keinen Bauernhof mehr.

Die unheimliche Nacht im Friedhof
Die Geschichte ist uns wirklich passiert und soll den Kindern sagen dass sie abends nie alleine in den Friedhof gehen sollten weil es sein kann, dass sie dann nie wieder zurückkommen....
Ich und meine Freundin waren eines Nachts an Halloween im Friedhof....
wir wollten uns ein bisschen Stimmung machen...=) Na ja haben wir dann auch bekommen... Schon beim rein gehen hatten wir sehr Angst weil Freunde von uns erzählt haben, das sie ein Jahr davor Menschen gesehen haben (tote Menschen) haha voll witzig haben wir erst gedacht... Also nach vielleicht 15 Minuten haben wir erste Stimmen gehört, die sehr unheimlich geklungen haben. Wir haben uns aber noch nichts dabei gedacht - doch Angst hatten wir schon, nur niemand wollte seine Angst den anderen zeigen. Doch nach 30 Minuten sahen wir wirklich eine Frau. Die Frau hatte blonde Haare und stand neben einem Baum. Ihr Gesicht war völlig zerkratzt und entstellt...sie hat uns die ganze zeit beobachtet...die ganze zeit!!!! Wir wollten schreien doch kein Laut kam raus...wir wollten wegrennen doch es ging nicht. Als wir dann doch angefangen haben wegzurennen haben wir noch einen schwarzen Mann gesehen. Sein Gesicht war nicht zu erkennen, aber wir sahen deutlich, dass er etwas in der Hand hielt. Es sah aus wie ein Messer. Wir rannten dann sooo schnell wie möglich bis wir endlich am Ausgang waren und sahen wie die Frau uns mit einem lachenden Gesicht winkte und plötzlich am Rücken von diesem Mann erstochen wurde....
War es nur Einbildung oder wollte sie uns retten???
Wir wissen es nicht und wir werden es auch nie erfahren...

Das Silberbein
In einem tiefen dunklen Wald befand sich ein altes halb verfallenes Schloss. Seit vielen Jahren lebte darin ein alter Graf mit seinem Diener. Der Graf hatte ein Silberbein und sein Diener ein Holzbein.
Eines Tages starb der Graf. Der Diener, der dem Grafen jahrelang treu gedient hatte, jedoch nicht sehr viel Lohn dafür bekam, dachte sich nun: "Der Graf braucht sein Silberbein nicht mehr, aber mir kann es noch nützen und für die jahrelangen Dienste wäre das ein gerechter Lohn!". Also tauschte er kurzerhand sein Holzbein gegen das Silberbein aus.
Als es Nacht wurde, verschloss der Diener wie immer alle Fenster und Türen des Schlosses. Etwas unheimlich war ihm ja nun schon zumute. Niemand weit und breit, nur das Rauschen des Waldes, das Knistern des Kaminfeuers und hin und wieder das Heulen eines Wolfes in der Ferne.
Der Diener legte sich ins Bett und schlief alsbald ein. Um Mitternacht schreckte der Diener plötzlich auf. Hatte er nicht etwas gehört? Ja! Jetzt hörte er es ganz deutlich. Ein erst leises, dann immer besser hörbares Tock-Tock-Tock. Dieses Geräusch kam näher und näher und näher...
Dem Diener wurde ganz anders. Wer mag da draußen sein? Er hatte doch alles verschlossen! Oder doch nicht? Ohje - jetzt hörte er eine Stimme. "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein !" es war die Stimme des verstorbenen Grafes. Eigentlich sollte der ja in seiner Gruft im Schlosskeller liegen. Dem Diener wurde ganz anders. Doch so schnell wie der Spuk begonnen hatte, so schnell war er vorüber.
Gleich am nächsten Tag, nach einer sehr unruhigen Nacht und schaurigen Träumen, permanent verfolgt vom alten Grafen, machte sich der Diener daran, alle Schlösser zu erneuern und alles zu sichern. Besonders sorgfältig wurden die Türen zur Gruft und Keller abgeschlossen und verriegelt.
Mit einem etwas unwohlen Gefühl legte sich der Diener abends in seiner Kammer unterm Dach ins Bett. Und es geschah wieder. Genau um Mitternacht wurde er wieder von einem sich nähernden Tock-Tock-Tock-Geräusch geweckt. Die Schritte kamen näherund näher und blieben genau vor seiner Kammer stehen.
Schweißgebadet lag der Diener in seinem Bett. Jetzt bewegte sich die Türklinke langsam nach unten. Ganz deutlich hörte er nun auch die vertraute Stimme des Grafen: "Wo ist mein Silberbein ! Wo ist mein Silberbein ?" Der Diener bekam fast einen Herzstillstand. Die Decke übers Gesicht gezogen rührte er sich nicht. Plötzlich viel die Tür ins Schloss und der Spuk war wieder zu Ende. Erleichtert atmete der Diener auf.

Das Gewitter
Eines Morgens sah das Wetter gerade nicht so berauschend aus. Aber das hatte ja noch nichts zu sagen. Ich ging ganz normal zur Schule und traf mich mit meiner besten Freundin. Sie wollte heute bei mir übernachten. Das Wetter wurde immer schlimmer. Plötzlich fing es an zu regnen, immer heftiger und dann zog ein Wind auf wie nichts. Dann fing es an zu donnern und zu blitzen. Es war 12.00 Uhr nachts, wir wurden langsam müde, doch plötzlich hörten wir einen Baum knacken. Er kippte genau auf unser Haus. Ich und meine Freundin waren erst 12 Jahre alt. Wir gerieten in Panik, doch unsere Eltern waren noch nicht da. Wir rannten so schnell wir konnten, doch es war zu spät. Der Baum hatte meine Freundin erschlagen. Als meine Eltern zurückkamen, erschraken sie. Sie holten sofort den Krankenwagen, aber die konnten sie auch nicht mehr zurückholen. Auf der Beerdigung weinten alle. Besonders ihre Mutter, meine Eltern und ich. Was sich an diesem Tag abgespielt hat, werde ich nie vergessen, und bei jedem Sturm renne ich sofort zum Keller.

Die verrückte Fee
Eine verrückte Fee wohnte im Wald in einem alten Schloss, was schon 500 Jahre da stand. Die verrückte Fee hatte den netten Vampir eingeladen und hat ihm gesagt, er soll eine Laterne mitbringen. Die Fee ist in den Supermarkt gegangen und hat drei Kürbisse gekauft. Sie hat sie ausgehöhlt und ein Gesicht rein geschnitzt und eine Kerze rein gestellt, dann war es ein Leuchtkürbis. Um 23.30 Uhr kam dann der nette Vampir. Die verrückte Fee hat sich sehr viel Mühe gegeben, um das Essen rechtzeitig fertig zu bekommen. Der nette Vampir hat sich sehr über die Einladung gefreut. Die verrückte Fee ist mit dem netten Vampir rausgegangen mit den Laternen. Sie haben eine Nachtwanderung gemacht, da haben sie die Kindergruppe getroffen. Die haben sich vor einem Zombie und einem bösen Vampir erschrocken. Da sind sie schnell zu der Fee und dem netten Vampir gerannt. Und die Fee hat sie eingeladen, mit zu ihr zu kommen. Da gab es Blutorangensaft und gekochte Fingersuppe. Die Kindergruppe und der Zombie und der böse Vampir haben gesagt: "Ja gerne warum nicht!" Dann hat die verrückte Fee Musik gemacht, und alle haben getanzt und sogar der nette Vampir, obwohl er nie gerne tanzt. Um 5.00 Uhr morgens sind dann alle gegangen, außer dem netten Vampir, der hat der verrückten Fee noch beim Aufräumen geholfen. Am nächsten Tag hat der nette Vampir die verrückte Fee zum Essen eingeladen auf den Friedhof. Da wollte die verrückte Fee gar nicht hin, weil sie es gruselig da fand. Das hat sie dem netten Vampir gesagt, und da haben sie sich im Schulkeller getroffen. Es wurde noch sehr lustig, und die verrückte Fee bedankte sich beim netten Vampir für den schönen Abend und ging.

Der Fluch der Gummiente
Timo, ein kleiner 9jähriger Junge, ging mit seiner Mutter in den Supermarkt. Er sammelte schon lange etwas Ungewöhnliches, etwas, was keiner hat. Und zwar Gummienten. In allen verschiedenen Formen. Als sie dann vor dem Krimskrams-Geschäft standen, war Timo schon wieder in eine kleine, süße Gummiente verliebt. Er wollte sie unbedingt haben und er bekam sie auch. Als sie zu Hause waren, rannte er sofort in sein Zimmer und spielte mit seinem neuen Freund. Wie jeden Freitagabend musste er mal wieder baden. Natürlich beschloss er sofort, die Gummiente mit zum Baden zu nehmen. Er spielte fröhlich herum. Doch eins wusste er nicht: Dass diese Gummiente einen Fluch besaß. Einen grausamen Fluch besaß. Jedes Mal, wenn man die Gummiente quieken ließ, würde sie lebendig werden und denjenigen töten, der sie quieken lassen hat. Da Timo das aber nicht wusste, tat er genau das, was er nicht tun sollte. Er ließ sie quieken. In dem Augenblick erwachte die Ente zum Leben und piekte dem armen Jungen die Augen aus. Die Mutter hörte einen Schrei und rannte hoch ins Bad. Sie sah das schreckliche Unglück. Timo war tot und die Mutter konnte sich nicht erklären, wie das passieren konnte.
Eines Morgens warf sie alle Sachen von Timo weg, auch die Gummienten. Aber die Ente lebte noch und ging zurück zum Haus. Es war Nacht, die Mutter schlief tief und fest. Dann kam die Ente und tötete sie, auf die gleiche Art und Weise, wie bei ihrem Sohn. Keiner der Bewohner traute sich mehr in dieses Haus. Alle vermuteten, dass dieses Haus verflucht wäre.
Dann kam endlich eine neue Familie in die Stadt. Sie fanden das Haus, wo das Unglück geschah, traumhaft schön und kauften es. Die Ente lebte noch, und was dann geschah, kann man sich, glaube ich, denken …

Das Schloss
Es war einmal eine stinkreiche Familie. Sie hatten ein großes Haus, aber sie wollten ein Schloss. Die Mutter war allein erziehend, der Vater war bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Die Familie stand immer noch unter Schock, aber am meisten der kleine Junge. Er hieß Flo. Er hat die ganze Zeit nicht gesprochen. Er war so traurig. Aber nicht nur er, sondern auch seine Schwester. Sie redete noch, aber sie war auch nur traurig. Und die Mutter hat sich dann ein Schloss angeguckt und sie wollten ausziehen, damit sie alles andere ein bisschen vergessen. Die Mutter hat das Schloss gekauft und nach zwei Monaten war es fertig. Die Kinder gingen in eine andere Schule und der kleine Junge Flo hat auch wieder gesprochen. Aber eines Nachts hörte der kleine Junge Flo einen Schrei und hat Angst bekommen. Er rannte ins Zimmer der Schwester und hat geschrieen: „Hier ist einer!“
Die Schwester sagte: „Erzähl keinen Mist, ich will schlafen.“
Aber der Junge sagte: „Hör!“
Und die Schwester sagte: „Jetzt höre ich das auch. Flo, mach keinen Scheiß, ja!“
Der Junge sagte: „Ich mache das Geräusch nicht. Komm, wir gehen zu Mama.“
„Ja, los, schnell. Aber, Flo, ich habe Angst! Was machen wir denn bloß?“
„Bei 3 rennen wir so schnell wir können und halten uns fest.“
„Ja. 1, 2, 3!!!“
Und sie rannten los und schneller und schneller, bis sie im Zimmer der Mutter waren. Sie gingen schnell rein und sahen: ihre Mutter war nicht da. Sie haben geschrieen und auf einmal kam die Mutter. Die Kinder hatten Angst, weil sie dachten, dass es ein Mann wäre. Sie haben sich unter dem Bett verkrochen und haben gesehen, wie ihre Mutter reinkam. Dann haben die Kinder die Mutter erkannt und sind hingerannt und haben sie gedrückt. Die Mutter fragte: „Was ist los?“
Die Kinder sagten: „Hier ist einer im Haus.“
Die Mutter sagte: „Ihr habt schlecht geschlafen. Legt euch wieder hin. Ich höre keinen Mucks. Ja, dann gute Nacht und schlaft schön.“
Dann haben sie bis zum nächsten Morgen geschlafen und sind zur Schule gegangen. Die Mutter rief sie dann hinein und sie haben gegessen und sind ins Bett gegangen. Um 12 Uhr Mitternacht kamen die Geräusche wieder. Die Kinder gingen wieder zur Mutter. Auf dem Weg haben sie einen Schrei von der Mutter gehört. Sie rannten so schnell, wie sie konnten, und haben gesehen, dass die Mutter schlecht träumte. Sie legten sich wieder hin und schliefen fest ein. Am nächsten Morgen sind die Kinder zur Schule gefahren und sind wiedergekommen. Die Mutter hatte gekocht, die Kinder haben gegessen und sind dann raus zum Spielen gegangen. Sie kamen mit einem Hasen an und sagten: „Der Hase ist uns gefolgt. Den ganzen Weg lang.“
Die Mutter sagte: „Kinder, wir müssen Zettel verteilen, dass der Hase gefunden wurde.“
Es wurde Abend. Sie hörten die Geräusche noch mal und die Mutter schrie wieder. Sie rannten schnell, aber es war zu spät. Die Mutter war tot. Die Kinder haben sofort die Polizei angerufen und haben alles erzählt. Die Polizisten waren erschrocken, dass keiner da war. Der Täter war weg.
Die Kinder mussten ins Heim. Der Junge Flo ist im Heim gestorben. Er hat sich ermordet. Er konnte nicht mehr. Und die Schwester wurde getötet. Das war eine komische Familie. Alle sagten, das Schloss ist verhext und keiner hat sich mehr getraut reinzugehen. Nur ein Kranker würde sich dort noch reintrauen.
Die Polizei verstand nicht, warum die Mutter bei ihrem Tod kein Blut verloren hat. Keinen Tropfen. Alle haben sich gewundert und hatten Angst, ins Schloss hineinzugehen. Die Mutter hätte besser auf die Kinder hören sollen.
Am besten ziehen Sie nicht in Schlösser oder in alte Häuser ein, sonst passiert mit Ihnen das Gleiche. Das wollen sie doch nicht, oder? Dann halten Sie sich daran!
